Preis der Deutschen Familienstiftung an Liselotte und Dr. Wolfgang Hamberger

Laudatio durch Prof. Dr. Spätling

Liebe Frau Hamberger, lieber Herr Dr. Hamberger!

Während in die Interessen der Wirtschaft durch eine hohe Zahl von bezahlten Lobbyisten vertreten werden, kann man an der Familie nichts verdienen, deshalb ist das Engagement für die Belange der Familie meist ehrenamtlich. Wenn so kein Preis erhoben wird, ist es besonders dann, wenn dieses Engagement gut gelingt, wichtig einen Preis zu vergeben und so vergeben wir heute den Preis der Stiftung an das Ehepaar Hamberger.

Warum geht der Preis an beide? 

Wenn man ehrlich ist, lässt sich der Erfolg, den ein Partner hat, nicht nur an einer Person festmachen. Keiner schafft etwas allein. Aber nur das Schaffen und der Erfolg des Funktionsträgers wird in der Öffentlichkeit sichtbar.

Wie ist es in einer guten Partnerschaft? Ich z.B. komme nach einem schweren Arbeitstag nach Hause und meine Frau sieht mir gleich an, dass ich Beratungsbedarf habe. Der Partner muss nicht die komplette Materie durchdrungen haben. Probleme können oft erst gelöst werden, wenn man von außen auf diese sieht. Lösungen werden besser akzeptiert, wenn man sich in den Betroffenen hineinversetzen kann. Und wer kann diese Rolle besser einnehmen, als der Partner. So entstehen kluge Lösungen.

Aber nicht nur als Beraterin hat Frau Hamberger gewirkt. Sie hat auch zur Glaubwürdigkeit der Arbeit des Oberbürgermeisters beigetragen, in dem sie sich in sozialen Bereichen engagiert hat. 

Liselotte Hamberger war viele Jahre Schirmherrin des Müttergenesungswerks dieser Region. Sie hat aber nicht nur den Schirm über diese Aktion gehalten, sie war auch aktiv mit der Spendendose unterwegs, um Unterstützung für die zu sammeln, die immer schon die Hauptlast der Familie getragen haben. Sie hat Spenden gesammelt, für die Genesung derer, die in der Familie am meisten belastet sind, für die Mütter, in einer Zeit, in der man Emanzipation nur schwer buchstabieren konnte. 

Die Älteren erinnern sich noch an die Alternativlosigkeit vieler Frauen in dieser Zeit. Ansprüche und Wünsche umzusetzen, wird unsere Gesellschaft weiter fordern. 

Frau Hamberger ist bei ihrem Engagement keinen Konflikten aus dem Weg gegangen, denn die gab es, als sie die Organisation des Baus des ersten Familienzentrums am Aschenberg wegen des plötzlichen Todes der dafür verantwortlichen Stadträtin Mali Kühn übernahm. Und Frau Hamberger hat es erfolgreich zu Ende geführt. 

Und ich glaube, es weiß kaum jemand in Fulda, dass wir es Frau Hamberger zu dankenhaben, dass ihr Mann nach Fulda gekommen ist. Sie hat seine Liebe zur Kommunalpolitik früh erkannt und ihn motiviert, diesen Schritt zu gehen trotz der damals unsicheren Zukunft.

Diese gelebte Partnerschaft, nicht selten auch der Einfluss der Töchter, hat wesentlich dazu beigetragen, dass Dr. Hamberger anders auf die Politik geschaut hat, die er gestalten musste. 

Mit dem Familien-Blick.

Er hat sehr früh erkannt:

Gesellschaft funktioniert nur, wenn man sie von der Frau aus denkt.

Gesellschaft organisieren Bürger in der Selbstverwaltung, in der Kommunalpolitik. Und auch dort spielten Frauen damals eine untergeordnete Rolle. 

Mitsprache muss institutionalisiert werden, damit sie wirkt. Als eine der ersten Kommunen in Deutschland institutionalisierte Dr. Hamberger in Fulda eine Frauenbeauftragte. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen im Lande gliederte er die Frauenbeauftragte aber nicht irgendwo im Sozialreferat ein, sondern er unterstellte sie dem Oberbürgermeister, dem sie direkt berichten dürfte. (und wir dürfen Frau Hast, als Fuldas erste Frauenbeauftragte heute auch hier begrüßen)

Frauenbeauftragte also nicht als Alibifunktion, sondern als effektive Mithilfe bei der Darstellung der Bedürfnisse von Frauen in der kommunalen Selbstverwaltung und damit Darstellung der Bedürfnisse von Familien.

Auch unsere Stiftung hat er tatkräftig unterstützt. So hatte er früh gesehen, dass wir jede Chance nutzen müssen, um die Partnerschaft der Eltern zu stärken, die ja die frühesten Lehrer der Kinder sind    und die besten Lehrer, wenn sie sich gut verstehen.

In der Souterrain-Wohnung auf der Dr. Dietz Straße und dem Gemeindesaal von St. Pius, wo ja die Familienschule hier in Fulda begann (meine Tochter hat es ja eben beschrieben), konnten wir unsere langfristigen Pläne nicht realisieren. Es mussten Mittel für neue Räume und für Mitarbeiter beschafft werden. Dr. Hamberger lenkte als Vorsitzender des Verwaltungsrates der Sparkasse für ein Jahr die Mittel, die für soziale Zwecke zur Verfügung standen, in unsere Stiftung zum Aufbau der Familienschule und ermöglichte so die effektive Arbeit der Stiftung.

Wie sie wissen und auch in der Festschrift nachlesen können, besteht die Arbeit der Stiftung aus vielen Einzelprojekten. Neben vielen anderen Organisationen in Fulda hatten wir nun das Glück, dass Dr. Hamberger auch Vorstand der Stiftung „Deutsches Hilfswerk“ war, der Stiftung, die hinter der Fernsehlotterie steht. Er half mir, die Anträge für mehrere Projekte so zu formulieren, dass er sie dann in den entscheiden Vorstands-Sitzungen nicht mehr ablehnen konnte. 

So hat er am Aufbau der Familienschule und der Stiftung mit ihren mittlerweile weit über Fulda hinausgehenden Projekten maßgeblich mitgewirkt. Herzlichen Dank.

Und deshalb möchten wir Ihnen, Frau Hamberger und Herr Dr. Hamberger den Preis der Deutschen Familienstiftung in Form einer Réplique einer Skulptur des französischen Künstlers Jacques Riousse mit dem für unsere Arbeit so treffenden Namen: L´amourüberreichen.